Friday, April 26, 2024

„Wir müssen den Menschen Hoffnung geben“

Ein Gespräch mit Hanna Gedin von der schwedischen Linkspartei über die Prioritäten und Herausforderungen der schwedischen Linken vor der Europawahl.

Im Vorfeld der Wahl zum Europäischen Parlament im Juni 2024 führt die Rosa-Luxemburg-Stiftung eine Reihe von Interviews mit Parteien und Kandidat:innen aus der ganzen EU durch, um den Wahlkampf, ihre politischen Forderungen und die Herausforderungen für die politische Linke in den jeweiligen Ländern und in Europa zu diskutieren. Duroyan Fertl sprach mit Hanna Gedin, der Nummer zwei auf der Liste der schwedischen Linkspartei Vänsterpartiet, über die aktuellen Prioritäten der schwedischen Linken.

Welche Prioritäten setzt sich die Vänsterpartiet für diese Europawahl? Was sind die wichtigsten Wahlkampfthemen und Forderungen?

Wir haben drei Prioritäten in diesem Wahlkampf: Klimawandel, gute und sichere Arbeitsplätze, und die Lebenshaltungskosten-Krise. In mancher Hinsicht ist die EU beim Klimaschutz progressiver als die rechte schwedische Regierung, die gerade klimapolitische Errungenschaften der letzten Jahre wieder zunichtemacht. Dennoch verbietet das auf EU-Ebene vorherrschende neoliberale Dogma staatliche Beihilfemaßnahmen für die gewaltigen Investitionen, die für den grünen Wandel nötig sind. Es muss den EU-Mitgliedstaaten erlaubt werden, massiv in eine gerecht gestaltete sozial-ökologische Transformation, in die Schaffung von Arbeitsplätzen und in eine bessere Lebensqualität für viele Menschen zu investieren. Gleichzeitig muss die EU aufhören, die fossile Industrie zu subventionieren.

Beim Thema gute Arbeitsplätze geschieht die Priorisierung von Kapital und Wettbewerb in der EU zu Lasten der Qualität der Arbeit. Ein Beispiel dafür ist die aktuelle Debatte um die Richtlinie zur Plattformarbeit. Wir wollen außerdem die Regeln für das öffentliche Beschaffungswesen ändern, die den niedrigsten Preis zum Hauptkriterium für die Auftragsvergabe gemacht haben, was zu Sozialdumping führt. Zusammen mit den europäischen Gewerkschaften fordern wir eine Erneuerung des öffentlichen Vergabewesens, die Sozialklauseln und Tarifverhandlungen in den Vordergrund stellt.

Letztlich sehen wir bei den Lebenshaltungskosten, dass die Inflation zu mehr Armut und sozialer Ungerechtigkeit geführt hat, während gleichzeitig Schwedens Großkonzerne historische Gewinne erzielen. Wir müssen eine neue Gesellschaftsform aufbauen, von der alle Menschen profitieren statt nur einige wenige. Ein tiefliegender Grund für die Wohnungskrise in Schweden – die durch Wohnungsknappheit und steigende Mieten verursacht wird – ist, dass Wohnraum auf dem europäischen Markt schlicht als Ware angesehen wird, was uns daran hindert, staatliche Beihilfen für den Bau neuer Wohnungen zu vergeben und öffentliche Wohnungsunternehmen dazu zwingt, die Marktregeln einzuhalten.

Lesen Sie den vollständigen Artikel auf der Website der Rosa-Luxemburg-Stiftung - Büro Brüssel.

 

”We need to give people hope”

An interview with Hanna Gedin from the Swedish Left Party Vänsterpartiet on the priorities and challenges of the Swedish Left ahead of the European elections.

In the lead up to the 2024 European Parliament elections this June, the Rosa Luxemburg-Stiftung is conducting a series of interviews with parties and candidates from across the EU on the election campaign, their political demands, and the challenges for left forces domestically and at a European level.

Duroyan Fertl spoke to Hanna Gedin, second on the list for Swedish left party Vänsterpartiet, about the Swedish left’s priorities this year.

What are Vänsterpartiet’s key priorities in this European Parliament election campaign? What are your key campaign areas or flagship demands?

There are three key priorities for this campaign: the climate transition, securing good and safe jobs, and the cost of living crisis. In some respects, the EU is more progressive on climate than the right-wing Swedish government, which is now dismantling years of climate policies, but the neoliberal dogma that prevails at the EU level prevents state aid measures to deliver the large investments needed for the green transition. EU member states must be allowed to make huge investments for a just transition, creating jobs and a better life for many people, and the EU must stop subsidising the fossil industry.

On the issue of securing good jobs, the EU’s prioritising of capital and competition comes at the expense of job quality – the recent fight around the platform work directive is a case in point. We also want to change the rules around public procurement, where securing the lowest price has been made the key condition for making procurements, something that leads to social dumping. Alongside the European trade unions, we are calling for a new kind of procurement where social clauses and collective bargaining are made the key factors.

Finally, on the cost of living, we can see that inflation has led to more poverty and increased social injustice, while at the same time the big companies in Sweden are making historic profits. We need to build a different kind of society, one that works for all the people, not just for a few. One reason we have a housing crisis in Sweden – which is being caused by a shortage in apartments and increasing rents – is because housing is deemed to be just another commodity on the European market, preventing us from using state aid to build new housing and forcing public housing companies to operate under market rules.

Read the full article at Rosa Luxemburg Stiftung - Brussels Office.